Der Welpe zieht ein und alle Familienmitglieder sind total aufgeregt und freuen sich riesig.

Jedes einzelne Familienmitglied hat ganz eigene Vorstellungen und Erwartungen an das neue vierbeinige Familienmitglied – auch (Klein-)Kinder.

Kleiner Spoiler vorweg: Sehr oft kolidieren die romantischen Vorstellungen von uns Menschen mit dem realen Zusammenleben mit Welpen in den ersten Wochen und Monaten 🙂

Wir Menschen stellen es uns so schön vor, einen niedlichen kleinen Babyhund in unsere Familie zu holen. Klein und knuddelig, etwas zum schmusen, spielen und spazierengehen.

Aber wie sehen die ersten Wochen und Monate im neuen Leben mit unserem Welpen in der Realität aus?

Tatsächlich wirst Du vermutlich auf dem Zahnfleisch gehen, übermüdet sein und gestresst. Dein Haushalt sieht vermutlich gerade aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen und überhaupt schaffst Du gerade nicht ansatzweise die To Dos abzuarbeiten.

Der Welpe braucht einfach Deine komplette Aufmerksamkeit. Welpen sollen zwar 20-22 Stunden am Tag ruhen, viele Welpen schaffen es aber nicht, sich selber zu regulieren und Entspannung zu finden. Viele Welpen schlafen zu Beginn tatsächlich am zuverlässigsten, wenn sie an ihren Menschen gekuschelt sind oder gar auf ihnen schlafen. Das heißt, dass Du in den ersten Wochen unter Umständen viel regungslos herumsitzen und Deinem Welpen beim Schlafen zusehen musst…denn viele Welpen werden direkt wieder munter, sobald man sich versucht weg zu bewegen 😀

Da stapeln sich gern schonmal Geschirr- und Wäscheberge, weil man mehr rumsitzt als alles andere.

Außerdem ist Dein Welpe ja auch noch nicht stubenrein und das kann auch noch einige Wochen dauern. Wie lang genau, das ist sehr individuell und hängt vor allem von der körperlichen Entwicklung und Reife ab. Deswegen bringt da Härte und Strenge überhaupt nichts, denn das bringt Dich bei dem Thema nicht weiter. Früher wurde immer gesagt, man soll den Welpen mit der Nase durch sein Geschäft ziehen….das ist totaler Quatsch und macht nur das Vertrauen Deines Welpen zu Dir kaputt.

Erst ab der 16. Lebenswoche sind Welpen langsam in der Lage ihre Schließmuskel zu kontrollieren! Und die Betonung liegt auf AB! Das ist alles eine individuelle Entwicklungssache, genau wie bei uns Menschen. Nicht alle Kinder sind zur gleichen Zeit trocken und wir kämen da ja auch nicht auf die Idee, einen Säugling bzw. ein Kleinkind mit der Nase durch die Windel zu ziehen!

Das bedeutet also, dass Du die ersten Wochen nachts am besten nah bei Deinem Welpen schläfst, um mitzubekommen, wenn Dein Welpe unruhig wird und raus muss. DIe Nächte werden zu Beginn vielleicht sehr kurz sein, denn Dein Welpe muss vielleicht noch alle paar Stunden raus.

Außerdem hat es sich bewährt, Welpen nach jedem Spiel, nach jeder Mahlzeit, jedem Nickerchen oder nach dem Trinken rauszutragen. Körperliche Anstrengung und Aufregung regen Darm und Blase an. So ist es sehr wahrscheinlich, dass er sich dann immer lösen muss.

Geht doch mal was in die Wohnung, nimm es als „liebevolle Kopfnuss“ für Dich selbst hin. Denn dann hast Du nicht mitbekommen, dass Dein Welpe schnell raus musste. Wische es einfach kommentarlos weg und schimpfe nicht. Dein Welpe kann es einfach noch nicht halten.

Auch wenn Dein Welpe inzwischen schon eigentlich ganz gut einhalten kann und jetzt wieder häufiger mal was in die Wohnung geht: Nicht schimpfen! Das hat nichts mit Trotz oder ähnlichem zutun! Gerade unter Aufregung, bei großer Freude oder im körperlichen Wachstum ist das „dicht sein“ noch sehr schwierig und nicht richtig zuverlässig möglich. Lass Deinem Welpen einfach Zeit sich zu entwickeln und begleite ihn mit Geduld, Verständnis und Aufmerksamkeit.

Auch die Spaziergänge werden in den ersten Wochen noch eher nach „spazieren stehen“ aussehen, denn Welpen gehen im eigentlichen Sinne noch nicht spazieren. Zu aufregend ist die Umwelt – Gerüche, Geräusche usw. Welpen bewegen sich ungern weiter von ihrem sicheren Zuhause weg. Dein Welpe ist nicht bockig, wenn er stehen bleibt und nicht mitgehen möchte, er verhält sich nur natürlich. Als Hilfestellung könntest Du ihn zur Stelle tragen, wo er sich lösen kann und den Rückweg nach Hause dann laufen lassen. Denn heim laufen sie immer gern 🙂 Als Faustregel gilt: Welpen sollten maximal 5 Minuten pro Lebensmonat spazieren gehen. Lass Deinem Welpen Zeit, sich seine Umwelt in Ruhe anzuschauen, biete ihm Schutz, wenn ihn was gruselt und schleif ihn nicht weiter oder zu etwas hin. Lass ihn alles in seinem eigenen Tempo erkunden. Es ist auch nicht selten, dass Welpen sich draußen vor lauter Aufregung nicht lösen können und dann alles „rauslassen“, kaum ist man zur Türe rein (oder falls vorhanden in den Garten machen). Auch das hört irgendwann auf, keine Bange. Lass Deinem Welpen diese Sicherheit einfach, so lange er sie braucht und nimm es mit einem Augenzwinkern.

Welpen erziehen uns Menschen auch 1a zur peniblen Ordnung, denn alles was nicht weggeräumt wird, ist potenziell gefährdet den spitzen Welpenzähnchen zum Opfer zu fallen. Das liegt auch nicht an Dominanz, fehlendem Respekt oder Trotz. Hunde haben keine Hände und entdecken ihre Welt daher mit der Schauze, Welpen vor allem mit den Zähnchen. Das gilt auch für unsere Hände, Füße usw.

Stelle einfach alles, was nicht kaputt gehen sollte, außerhalb der Reichweite Deines Welpen. Glaub mir, es ist Nerven schonender, einfach alles wegzustellen, als dem Welpen ständig alles mit „Nein pfui“ wegnehmen zu müssen. Natürlich kann man von klein auf spielerisch schon ein Signal für das Ausgeben von Dingen üben, jedoch muss das ja auch erst einmal systematisch aufgebaut werden. Das klappt im Alltag so flott noch nicht und artet daher eher in einen Streit aus. Dabei möchte Dein Welpe nur die Welt erkunden. Das ganze hört später von allein wieder auf, deswegen lohnt sich „Das muss er aber jetzt lernen, dass das nicht geht“ einfach nicht. Stell die Sachen einfach für eine Weile weg….schont Deine Nerven und die Beziehung zu Deinem Welpen 😉

Auch im Zahnwechsel brauchen Hunde viel zum kauen – ähnlich wie Säuglinge z.B. Zahnungsringe. Sie beißen ebenso auf Dingen rum, um das Zahnen angenehmer zu machen. Dafür kann dann alles herhalten, was gefunden wird. Deswegen solltest Du gerade im Zahnwechsel erlaubte Alternativen für Deinen Welpen bereithalten. E gibt bei Hunden die ähnliche Möglichkeit, Kongs mit z.B. Quark zu füllen und in den Gefrierschrank zu legen….der Welpe kann kauen und gleichzeitig wird das Zahnfleisch gekühlt 🙂

Was braucht Dein Welpe also konkret um zu einem nervenstarken und entspannten Familienmitglied heranzuwachsen?

Liebe, Geduld, Verständnis, viel Ruhe und ggfs. Unterstützung dabei, die notwendige Ruhe auch zu finden.

Was er nicht braucht sind unnötige Machtkämpfe, Strenge und Strafen.

Effektiv Grenzen setzen klappt freundlich, fair & artgerecht!

Möchtest Du wissen wie? Ich zeige es Dir gerne in meinem Welpen 1:1-Training oder in meiner Welpen & Junghunde-Gruppe (<– *klick*).